Markennews
Dienstag, 5. März 2019

Das gegorene Sportlergetränk ist keine Bieridee

Erdinger vermarktet seine alkoholfreie Bierlinie als Sportlergetränk. „Isotonisch, vitaminhaltig, kalorienreduziert“, steht prominent auf dem Etikett am Hals der Erdinger-Bierflasche. Ausserdem gibt es das „Team Erdinger alkoholfrei“, eine Gruppe von rund 5000 Profis und Amateuren, die aktiv dem Ausdauersport frönen.

Dass Bierkonsum rund um Sport ein Thema ist, wissen wohl alle, die schon mal einen Fussballmatch oder ein Schützenfest besucht haben. Kein Wunder spielt Heineken als Hauptsponsor der UEFA Champions League ganz weit vorne mit. Was für Fans passt, muss aber nicht unbedingt für den Sportler gut sein. Ganz anders, wenn man dem Gegorenen den Alkohol entzieht und das haben einige Biermarken in jüngster Zeit neu entdeckt.

Der Konsum von alkoholhaltigen Getränken – insbesondere von Bier – ist auch bei uns seit Jahren rückläufig. Gemäss Statistik des Bundes wurde 1990 71 Liter Bier pro Kopf und Jahr konsumiert. 2017 sind es gerade noch 54 Liter. Da kommt der Trend zu werthaltiger Ernährung gerade richtig, um dem Bier das Etikett „gesund“ mitzugeben und den Konsum wieder anzukurbeln. Zwar hatte man sich bereits 2006 anlässlich der Fussball WM erhofft, mit „Alkoholfrei“ durchzustarten. Nun scheint es soweit zu sein und alkoholfreies Bier wird auch hierzulande zu einem wesentlichen Umsatzfaktor. In Spanien ist der Anteil bereits auf 17% des Bierkonsums angestiegen. Der weltgrösste belgische Brauer Anheuser-Busch will bis 2025 ein Fünftel seines Bierumsatzes mit Alkoholfrei machen. Man sehe „enormes Wachstumspotenzial“ auf dem Gebiet, heisst es in Brüssel. 

Aus Marken- und Kommunikationssicht ist jedoch festzustellen, dass bei den meisten alkoholfreien Bieren die Gestaltung noch sehr nahe an den alkoholhaltigen Pendants liegt. Bisher hat sich noch keine grosse Brauerei dazu hinreissen lassen, ein eigenständiges und von den typischen Insignien losgelöstes Design zu lancieren. So erscheinen die Begriffe „isotonisch“ und „vitaminhaltig“ noch eher als Fremdkörper in althergebrachtem Umfeld. (ASR)